Mitte der 1980er Jahre: Ich bin Mitglied der einzigen in Salzburg relevanten Schuelerorganisation, der UHS, Union Hoeherer Schueler, welche der Oesterrichischen Volkspartei nahe steht (Vorfeldorganisation), wir als Schueler jedoch selbstaendig unsere Interessen und Positionen vertreten koennen. Ich (bin Kandidat dieser Schuelerorganisation) und werde mit 17 Jahren Bundesschulsprecher (hoechstes Amt der Schuelervertretung in Oesterreich).
Dr. Kurt Waldheim kandidiert 1986 als Bundespraesident und ist bis zu dieser Kandidatur in Oesterreich, so auch mir, als unzweifelhafte Persoenlichkeit des UNO-Generalsekretaer bekannt. Im Wahlkampf tauchen Geruechte um eine ueber die ehrrmachtsangehoerrigkeit hinausgehende Rolle Waldheims im NAZI-Regime auf. Es ist vorerst nicht klar, ob es sich um - leider uebliche - Schmutzkuebel in einem Wahlkampf handelt. Ich bin auf Grund meines gegenlaeufigen Vorbildes des muetterlichen Groszvaters zumindest mal skeptisch.
Bei einem Besuch in Salzburg sehe ich am Bereich der OeVP-Zentrale, welche von einem durchaus autokratischen Stil eines hochintelligenten Wilfried HASLAUER sen. gepraegt war, in Salzburg ein Wahlkampfplakat mit etwa der Aufschrift "Bundesschulsprecher Karl Parisot ist fuer Dr. Kurt Waldheim.", angeblich gab es noch weitere dieser Plakate. Dieses Plakat entstand ohne mein Wissen, geschweige denn mit meiner Zustimmung. Ich empfand es eher als Aufforderung, ich haette mich in dem Wahlkampf fuer Dr. Waldheim zu engagieren, was ich bei unklarer Sachlage jedoch nicht tat. Ich habe wegen mangelnder Sinnhaftigkeit auch nichts weiter gegen die unzulaessige Plakataktion unternommen. Nach Kenntnis eines Interviews von Waldheim war fuer mich klar, dass sein Verstaendnis von "Pflicht" fuer mich unwaehlbar ist (Was Waldheim hier sagt, koennte auf Hitler persoenlich auch alles zutreffen...).
(Es kann mir heute niemand erzaehlen, dass diese Geschichte nicht schon vor der UNO-Generalsekretars-Wahl diplomatischen Kreisen bekannt war und als Druckmittel gewuenscht war.)
Die OeVP selbst wurde fuer mich ab der Aera "Schweigekanzler", Wolfgang Schuessel, ("Haende falten und Goschen halten.") unwahlbar, zumal ich haltungsmaeszig eher jener Linie zuzurechnen war, die in der damaligen OeVP von Erhard BUSEK (aufgeschlossenes Wien; viele Kontakte zu Ost-Dissidenten) vertreten wurde.
Mein muetterlicher Groszvater wurde mir geschildert als jemand, der nach seinem Einsatz in Stalingrad, die DESERTION unter Lebensgefahr wegen Fahnenflucht als seine PFLICHT angesehen hat.

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